

Priv.-Doz. Dr. med. Anne Limbourg
Fachärztin für Plastische & Ästhetische Chirurgie
Eine Bruststraffung erzeugt unmittelbar überzeugende Ergebnisse. Was viele Patientinnen jedoch nicht wissen: Wie lange dieses Ergebnis hält, entscheidet sich nicht an der Hautnaht – sondern tief im Gewebe, lange bevor die Wunde geschlossen wird. Innere Stützstrukturen sind das entscheidende Element, das ein chirurgisches Ergebnis stabil hält – oder eben nicht.
Kurz zusammengefasst: Innere Stützstrukturen bei der Mastopexie (Bruststraffung) lagern die mechanische Last vom Hautmantel auf tiefer liegende Gewebestrukturen um. Die gebräuchlichsten Methoden sind Fasziennähte aus körpereigenem Gewebe sowie resorbierbare oder dauerhafte Netzmaterialien. Welche Technik sinnvoll ist, hängt vom individuellen Gewebebefund ab – und lässt sich nicht pauschal beantworten.
Die klassische Mastopexie korrigiert Form und Position der Brust durch Entfernen überschüssiger Haut und Neupositionierung des Brustgewebes. Das funktioniert – aber es gibt eine mechanische Schwachstelle: Wenn die gesamte Haltearbeit allein der Haut überlassen wird, trägt diese Haut eine dauernde Last.
Haut ist elastisch, aber nicht statisch belastbar. Unter konstantem mechanischen Zug – verursacht durch das Gewicht des Brustgewebes und die Schwerkraft – dehnt sie sich über die Jahre. Das Ergebnis: Das repositionierte Gewebe beginnt erneut abzusinken, schneller als bei einem Eingriff mit tiefer Stützfundamentierung.
Das Grundprinzip jeder inneren Stützstruktur ist dasselbe: Die mechanische Last wird vom Hautmantel auf tiefer liegende, mechanisch widerstandsfähigere Strukturen verlagert – auf Faszien, auf Narbengewebe oder auf eingebrachte Materialien.
Die Haut übernimmt dabei nur noch eine hüllende Funktion, keine tragende. Das schont die Haut, reduziert den Zug auf Narben und verbessert die Langzeitstabilität des Ergebnisses – besonders bei Patientinnen mit großem Brustvolumen, reduzierter Hautelastizität oder ausgeprägter Ausgangssituation.
Der Begriff „Internal Bra“ – wörtlich „innerer BH“ – beschreibt keine einzelne Operationstechnik, sondern ein chirurgisches Konzept: die Schaffung einer dauerhaften internen Haltestruktur, die das Brustgewebe in seiner neuen Position abstützt. Das Ziel entspricht funktional dem, was ein gut sitzender BH äußerlich leistet – nur von innen, dauerhaft und unsichtbar.
Je nach Operateurin und Befund kann ein Internal Bra durch Fasziennähte allein, durch Netzmaterialien oder durch eine Kombination beider Ansätze realisiert werden. Was alle Varianten verbindet: Das Brustdrüsengewebe wird nicht mehr nur angehoben und eingenäht – es wird mechanisch verankert.
Ein Internal-Bra-Konzept ist besonders dann relevant, wenn:

Die Faszioplastik ist die älteste und am weitesten verbreitete Methode zur inneren Stabilisierung der Brust. Faszien sind straffe Bindegewebshüllen, die Muskeln und Strukturen umhüllen. Im Bereich der Brust steht vor allem die oberflächliche Faszie des M. pectoralis major – der großen Brustmuskelplatte – als Ankerpunkt zur Verfügung.
Bei dieser Technik wird das repositionierte Brustdrüsengewebe mit tiefen, dauerhaften oder langzeitresorbierbaren Nähten an dieser Faszie fixiert. Das Parenchym – das eigentliche Drüsengewebe – wird dabei geformt, gerafft und in seiner neuen Position verankert. Die Nähte wirken wie ein inneres Korsett, das die Form von innen definiert und hält.
Der entscheidende Vorteil: Es wird kein Fremdmaterial eingebracht. Das bedeutet kein Risiko einer Fremdkörperreaktion, keine Materialunverträglichkeit, kein dauerhaft implantiertes Objekt. Fasziengewebe ist mechanisch belastbarer als Haut und bietet einen verlässlichen Ankerpunkt – sofern es in ausreichender Qualität vorhanden ist.
Genau hier liegen die Grenzen dieser Methode: Bei sehr ausgeprägter Ptose, nach erheblichem Gewichtsverlust oder bei altersbedingt stark reduziertem Fasziengewebe kann die Eigenstruktur allein nicht immer die gewünschte Stützleistung erbringen. In diesen Fällen kommen ergänzende Materialien in Betracht.

Resorbierbare Netze – beispielsweise auf Basis von PGLA (Polyglycolid-Milchsäure-Copolymer) – werden vom Körper innerhalb von Monaten bis wenigen Jahren vollständig abgebaut. Während dieser Zeit stützen sie das Brustgewebe mechanisch und geben dem umliegenden Gewebe die Möglichkeit, eine eigene Narbenstruktur auszubilden, die nach der Resorption die Haltefunktion übernimmt.
Das Prinzip ähnelt einem Baugerüst: Es wird nur so lange gebraucht, bis das Gebäude selbst steht. Bei geeigneter Indikation und guter Patientenauswahl zeigen resorbierbare Netze vielversprechende klinische Ergebnisse – mit dem Vorteil, dass kein dauerhaftes Fremdmaterial im Körper verbleibt.
Dauerhaft verbleibende Netzmaterialien – etwa aus Polypropylen oder anderen biokompatiblen Polymeren – bieten eine konstante, langfristige mechanische Unterstützung. Sie kommen vor allem dann in Betracht, wenn eine maximale Stützwirkung erforderlich ist: bei sehr ausgeprägten Befunden, nach mehrfachen Voroperationen oder wenn das körpereigene Gewebe keine verlässliche Faszienverankerung ermöglicht.
Der Einsatz dauerhafter Netze erfordert eine sorgfältige Indikationsstellung. Das Komplikationsprofil ist spezifischer als bei resorbierbaren Materialien und muss in die Entscheidung vollständig einbezogen werden.
Eine dritte Option sind azelluläre dermale Matrices (ADM) – biologische Gerüststrukturen aus dezellularisiertem Gewebe, häufig aus bovinen oder porcinen Quellen. Sie sind biokompatibel, werden vom Körper partiell integriert und hinterlassen kein synthetisches Material. In der ästhetischen Chirurgie kommen sie vor allem bei komplexen Revisionsfällen zum Einsatz, bei denen weder Eigenfaszie noch synthetisches Netz die optimale Lösung darstellen. ADMs sind deutlich kostenintensiver als synthetische Netze, bieten aber in spezifischen Indikationen biologische Vorteile.
Die verfügbare klinische Literatur – darunter mehrere prospektive Studien mit Nachbeobachtungszeiträumen von zwei bis fünf Jahren – zeigt konsistent: Mastopexien mit innerer Stabilisierung weisen geringere Rückfallraten auf als rein hautbasierte Eingriffe. Die Brustwarzenposition bleibt stabiler, die Ptose kehrt langsamer zurück, und Patientinnen mit großem Drüsenvolumen profitieren besonders deutlich.
Besonders der Einsatz resorbierbarer Netze in Kombination mit Fasziennähten zeigt in ausgewählten Kollektiven gute Langzeitergebnisse – mit einem günstigen Verhältnis zwischen Stützwirkung und Fremdmaterialbelastung.
Kein chirurgisches Verfahren ist ohne Risiko – und das gilt auch für innere Stützstrukturen. Bei synthetischen Materialien, insbesondere dauerhaften Netzen, sind folgende Komplikationen klinisch relevant:
Fasziennahttechniken haben das günstigste Komplikationsprofil, da kein Fremdmaterial eingebracht wird. Resorbierbare Netze liegen im mittleren Bereich. Die Häufigkeit aller genannten Komplikationen hängt stark von der Erfahrung der Chirurgin, der Patientenauswahl und der Qualität der Nachsorge ab.
Es gibt keine universell überlegene Technik. Die Entscheidung für oder gegen eine innere Stützstruktur – und für welche Art – ist immer eine individuelle Abwägung. Die entscheidenden Parameter sind:
In der Praxis Dr. Limbourg beginnt diese Entscheidung im Erstgespräch – mit einer sorgfältigen klinischen Untersuchung, die weit über die Frage nach dem Ptosegrad hinausgeht. Wir beurteilen die Gewebequalität, die Faszienstruktur, das Volumen und die Hautelastizität. Erst auf dieser Grundlage entsteht ein konkreter OP-Plan.
Wir erläutern alle Optionen transparent: welche Technik wir für Ihren Befund für sinnvoll halten, welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind – und warum wir zu dieser Einschätzung kommen. Nur so kann eine fundierte, gemeinsam getragene Entscheidung entstehen.
Was ist ein „Internal Bra“ bei der Bruststraffung? Ein Internal Bra ist kein einzelnes Produkt, sondern ein chirurgisches Konzept: Durch Nähte und/oder Netzmaterialien wird eine interne Stützstruktur geschaffen, die das angehobene Brustgewebe dauerhaft in seiner neuen Position hält – ähnlich wie ein BH, aber von innen und dauerhaft.
Wird bei jeder Bruststraffung ein Netz eingesetzt? Nein. Bei gutem körpereigenem Fasziengewebe und moderatem Ptosebefund kann eine reine Faszioplastik ausreichen. Netzmaterialien kommen vor allem bei ausgeprägter Ptose, reduzierter Gewebequalität oder Revisionsoperationen in Betracht. Die Entscheidung fällt individuell auf Basis des klinischen Befunds.
Wie lange hält das Ergebnis einer Bruststraffung mit innerer Stützstruktur? Studien zeigen, dass innere Stützstrukturen die Langzeitstabilität im Vergleich zu rein hautbasierten Techniken verbessern – insbesondere bei größerem Drüsenvolumen. Eine exakte Prognose ist jedoch nicht möglich, da das Ergebnis von Gewebequalität, Körpergewicht, Hormonstatus und Lebensstil abhängt.
Kann ein eingebrachtes Netz später wieder entfernt werden? Dauerhaft implantierte, nicht resorbierbare Netze können operativ entfernt werden, was jedoch mit chirurgischem Aufwand verbunden ist. Resorbierbare Netze werden vom Körper eigenständig abgebaut und müssen nicht entfernt werden. Biologische Matrices (ADM) werden partiell in das Körpergewebe integriert.
Welche Stützstruktur empfiehlt Priv.-Doz. Dr. Limbourg? Es gibt keine pauschale Empfehlung. Die sinnvolle Technik ergibt sich aus dem individuellen Befund – aus Ptosegrad, Gewebequalität, Volumen und dem Wunsch der Patientin bezüglich Fremdmaterial. Wir erläutern alle Optionen im ausführlichen Erstgespräch und begründen unsere Einschätzung transparent.
Die Qualität einer Bruststraffung zeigt sich nicht nur am OP-Tag – sie zeigt sich drei, fünf und zehn Jahre später. Innere Stützstrukturen sind der entscheidende Faktor dafür, ob ein Ergebnis stabil bleibt oder sich die Schwerkraft langfristig durchsetzt. Die Wahl der richtigen Technik ist dabei keine Standardentscheidung, sondern das Ergebnis einer gründlichen individuellen Analyse.
In der Praxis Dr. Limbourg nehmen wir uns für diese Analyse die Zeit, die sie verdient – mit klinischer Erfahrung aus über 5.000 Brustoperationen, akademischem Hintergrund und einer ehrlichen Einschätzung, die Ihnen wirklich weiterhilft.
Ob Veränderung, Korrektur oder Neuanfang – wir nehmen uns Zeit für Sie. In einem persönlichen Gespräch klären wir gemeinsam, was möglich ist und was wirklich zu Ihnen passt. Einfühlsam, ehrlich und auf Augenhöhe. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Beratungstermin in unserer Praxis in Hannover.