

Priv.-Doz. Dr. med. Anne Limbourg
Fachärztin für Plastische & Ästhetische Chirurgie
Kaum ein Thema rund um Brustimplantate wird derzeit so intensiv diskutiert wie die sogenannte en-bloc Explantation – nicht zuletzt durch Berichte in sozialen Netzwerken zu Breast Implant Illness. Viele Patientinnen, die uns dazu ansprechen, sind verunsichert und suchen vor allem eines: eine sachliche, verständliche Einordnung. Genau die möchten wir in diesem Beitrag liefern – ohne Alarmismus, aber auch ohne Beschwichtigung.
Der Begriff „en bloc“ beschreibt die operative Technik, bei der das Implantat zusammen mit der vollständigen, intakten Bindegewebskapsel, die sich im Körper um jedes Implantat bildet, als ein zusammenhängendes Stück entfernt wird. Die Kapsel wird dabei während der Operation nicht eröffnet.
Bei einer klassischen Implantatentfernung wird in der Regel nur das Implantat selbst entnommen. Die umgebende Kapsel bleibt entweder vollständig im Körper – etwa wenn sie unauffällig und beschwerdefrei ist – oder wird teilweise entfernt (partielle Kapsulektomie). Dieses Vorgehen ist meist weniger aufwändig und gewebeschonender als eine en-bloc-Explantation, bei der die gesamte Kapsel mitentfernt wird.
Eine en-bloc-Explantation ist insbesondere in folgenden Situationen medizinisch begründet:
• Verdacht auf BIA-ALCL: hier ist es onkologisch wichtig, die Kapsel intakt und ungeöffnet zu entfernen, um eine Verschleppung von Zellen zu vermeiden.
• Verdacht auf eine Kapselruptur mit Silikonaustritt außerhalb der Kapsel: eine sogenannte extrakapsuläre Ruptur.
• Ausgeprägte Kapselfibrose oder Verkalkung: wenn die Kapsel selbst deutlich verändert und mitursächlich für Beschwerden ist.
Auch ohne eine dieser medizinischen Indikationen kann sich eine Patientin für eine en-bloc-Explantation entscheiden, etwa im Zusammenhang mit Bedenken zu Breast Implant Illness. Diese Entscheidung respektieren wir.
Unter Breast Implant Illness fassen Patientinnen weltweit ein breites Spektrum an Beschwerden zusammen, die sie auf ihre Brustimplantate zurückführen – darunter chronische Erschöpfung, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Konzentrationsprobleme. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA erkennt BII als Erfahrung von Patientinnen an, stuft es bislang jedoch nicht als eigenständig definierte Erkrankung ein: Ein spezifischer ursächlicher Zusammenhang zwischen Implantaten und diesen Symptomen ist wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt, ein ICD-10-Code oder eine Anerkennung durch die WHO existieren bislang nicht. Gleichzeitig berichten viele Patientinnen und behandelnde Ärztinnen und Ärzte von einer spürbaren Besserung der Beschwerden nach einer Explantation.
Für uns bedeutet das: Wir nehmen die geschilderten Beschwerden unserer Patientinnen ernst und besprechen sie ausführlich.
BIA-ALCL steht für das brustimplantat-assoziierte anaplastische großzellige Lymphom – eine seltene Form von Non-Hodgkin-Lymphom, das im Zusammenhang mit Brustimplantaten auftreten kann. Wichtig zu wissen: Es handelt sich nicht um Brustkrebs, sondern um eine Erkrankung des Immunsystems, die sich meist im Kapselgewebe rund um das Implantat entwickelt.
Nach aktuellen Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liegen für Deutschland 15 gemeldete Fälle vor. In über 90 Prozent der bislang eindeutig identifizierten Fälle war ein texturiertes (aufgerautes) Implantat beteiligt, die meisten davon vom Typ „Biocell“ des Herstellers Allergan, der die betroffenen Produkte bereits 2018 vom Markt zurückgezogen hat. Das Risiko wird von BfArM und der Deutschen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (DGPRÄC) übereinstimmend als sehr gering, aber nicht vollständig auszuschließen eingestuft.
Typisches erstes Anzeichen ist meist eine späte, oft erst Jahre nach der Operation auftretende Schwellung (Serom) rund um das Implantat, seltener eine tastbare Verhärtung. Bei regelmäßiger Nachsorge und aufmerksamer Selbstbeobachtung wird ein BIA-ALCL in aller Regel frühzeitig erkannt und hat bei sachgerechter Behandlung eine gute Prognose. BfArM und DGPRÄC empfehlen, das Thema individuell und offen im Arztgespräch anzusprechen – insbesondere vor einer Neuimplantation oder im Rahmen der regelmäßigen Kontrolle bestehender Implantate.

Der operative Zugang erfolgt in der Regel über die bereits bestehende Narbe der ursprünglichen Operation. Implantat und Kapsel werden als zusammenhängende Einheit entfernt und im Anschluss routinemäßig feingeweblich untersucht. Je nach Befund kann eine Drainage für die ersten Tage sinnvoll sein; ein Stütz-BH oder Kompressionsverband unterstützt die Heilung in den ersten Wochen.
Da mit dem Implantatvolumen auch die Formgebung der Brust entfällt, kann es je nach Ausgangssituation zu Hautüberschuss kommen. In solchen Fällen besprechen wir bereits im Vorfeld, ob eine begleitende oder spätere Bruststraffung (/behandlungen/brust/bruststraffung/) sinnvoll ist, um ein harmonisches Ergebnis zu erzielen.
Priv.-Doz. Dr. med. Anne Limbourg hat mehr als 5.000 Brustoperationen durchgeführt und verfügt über langjährige Erfahrung auch bei komplexen Explantationen. Gerade bei einem Thema, das viele Patientinnen verunsichert, ist uns eine ausführliche, ehrliche Beratung und operative Erfahrung besonders wichtig: Wir ordnen den aktuellen medizinischen Kenntnisstand ein, ohne Ängste zu schüren oder Beschwerden kleinzureden.
Ob Veränderung, Korrektur oder Neuanfang – wir nehmen uns Zeit für Sie. In einem persönlichen Gespräch klären wir gemeinsam, was möglich ist und was wirklich zu Ihnen passt. Einfühlsam, ehrlich und auf Augenhöhe. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Beratungstermin in unserer Praxis in Hannover.